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Dein Sparbuch verbrennt Geld: Was Inflation mit deinem Vermögen macht

Bei 2% Inflation halbiert sich die Kaufkraft deines Geldes in 36 Jahren. Wie du dich schützt — und warum Nicht-Investieren das größte Risiko ist.

15. Januar 20265 min read

100.000€ auf dem Girokonto. In 30 Jahren noch 55.000€ wert.

Nicht nominal — nominell stehen da immer noch 100.000€. Aber kaufen kannst du dir damit nur noch das, was heute 55.000€ kosten würde. Bei 2% Inflation. Und 2% ist das, was die EZB anstrebt — also der Normalfall, kein Krisenzenario.

Das ist der stille Vermögensvernichter, über den niemand redet, weil er keine Schlagzeilen macht. Kein Crash, kein Skandal, kein schwarzer Montag. Einfach nur: Jedes Jahr ist dein Geld ein bisschen weniger wert. Langsam, kontinuierlich, unaufhaltsam.

Inflation in Deutschland: Ein Rückblick

ZeitraumDurchschnittliche Inflation
1950–1970~2,5%
1970–1990~3,5%
1990–2010~2,0%
2010–2020~1,2%
2021–2024~5,5% (Inflationskrise)
2025–2026~1,7% (Normalisierung)

Quelle: Statistisches Bundesamt (destatis.de), Eurostat.

Die EZB strebt 2% an. Aktuell (Januar 2026) liegt die Inflation im Euroraum bei 1,7% — erstmals wieder unter dem Zielwert. Das klingt harmlos. Aber selbst 2% halbieren die Kaufkraft in 36 Jahren (72er-Regel: 72 ÷ 2 = 36).

Realzins: Die einzige Zahl, die zählt

Dein Bankberater zeigt dir den Nominalzins. Die Zahl, die wirklich zählt, ist der Realzins:

Realzins = Nominalzins − Inflation

Bei 2% Inflation (EZB-Ziel):

AnlageformNominalzinsInflationRealzins
Girokonto0,0%2,0%−2,0%
Tagesgeld2,0%2,0%0,0%
Festgeld 1 Jahr2,5%2,0%+0,5%
Welt-ETF (historisch)7,0%2,0%+5,0%

Lies die Tabelle nochmal. Dein Tagesgeld mit "2% Zinsen" bringt dir real: nichts. Null. Kaufkrafterhalt, mehr nicht. Dein Girokonto verliert aktiv Geld. Und das Festgeld bringt dir nach Steuern (~26% auf die 0,5% Realzins) so gut wie nichts.

Nur der Welt-ETF liefert echten realen Vermögenszuwachs. Das ist der Grund, warum ich meinen Lesern immer sage: Für alles, was du nicht in den nächsten 7–10 Jahren brauchst, sind ETFs alternativlos.

Kaufkraft-Rechner

So viel ist dein Geld in Zukunft noch wert, wenn du es nicht investierst.

Betrag heute50.000 €
Inflation p.a.2.5%

Heute

50.000 €

In 20 Jahren

30.514 €

Kaufkraftverlust

39%

50.000€ über 20 Jahre: Was die verschiedenen Realzinsen bedeuten

AnlageRealzinsKaufkraft nach 20 Jahren
Girokonto−2,0%33.239€
Tagesgeld0,0%50.000€
Festgeld+0,5%55.250€
Welt-ETF+5,0%132.665€

Wer 50.000€ auf dem Girokonto liegen lässt, hat nach 20 Jahren real nur noch 33.000€ Kaufkraft. Wer in einen Welt-ETF investiert: fast 133.000€. 100.000€ Unterschied. Und beides bei der gleichen Ausgangssumme. Der einzige Unterschied: was du mit dem Geld gemacht hast.

Welche Anlagen schützen vor Inflation?

1. Aktien-ETFs — der beste Langfristschutz

Unternehmen können steigende Kosten an Kunden weitergeben. Wenn Rohstoffe, Löhne und Energie teurer werden, erhöhen Unternehmen ihre Preise. Umsätze und Gewinne steigen nominal mit — und damit die Aktienkurse.

Der MSCI World hat seit 1975 eine durchschnittliche reale Rendite (nach Inflation) von etwa 5–6% pro Jahr erzielt (Quelle: MSCI). Über nahezu jeden 15-Jahres-Zeitraum war die Realrendite positiv.

Einschränkung: Kurzfristig sind Aktien kein Inflationsschutz. 2022 hatten wir hohe Inflation UND fallende Aktienkurse. Der Schutz wirkt nur langfristig.

2. Immobilien

Traditionell inflationsgeschützt, weil Mieten und Preise langfristig mit der Inflation steigen. Aber: Hoher Kapitalbedarf, Klumpenrisiko (eine Immobilie, eine Region), Nebenkosten, Illiquidität. Und 2022/2023 haben gezeigt: Steigende Zinsen (die typische Antwort auf Inflation) können Immobilienpreise auch drücken.

3. Gold

Erhält die Kaufkraft über sehr lange Zeiträume, aber die Rendite liegt deutlich unter Aktien und schwankt stark. Keine Dividenden, keine Zinsen. Als Beimischung (5–10%) kann es sinnvoll sein, als Kernanlage taugt es nicht.

4. Inflationsindexierte Anleihen

Passen den Zinssatz automatisch an die Inflation an. Garantierter Realzins, aber niedrig (oft unter 1%). Gibt's als ETF (z.B. iShares Global Inflation-Linked Government Bond). Eher was für sehr konservative Anleger.

Drei Portfolios für verschiedene Risikotypen

Sicherheitsorientiert: 50% Festgeld (Leiter), 30% Anleihen-ETF, 20% Aktien-ETF. Erwartete Realrendite: ~1–2%.

Ausgewogen: 70% Aktien-ETF, 20% Anleihen/Festgeld, 10% Gold. Erwartete Realrendite: ~3–4%.

Renditeorientiert: 90–100% Aktien-ETF, 0–10% Tagesgeld als Notgroschen. Erwartete Realrendite: ~4–6%. Maximale Schwankungen, aber bei 15+ Jahren Anlagehorizont historisch immer positiv.

−2,0%

Realzins Girokonto

+0,5%

Realzins Festgeld

+5,0%

Realzins Aktien-ETF

Inflation und Schulden: Die andere Seite

Inflation hat nicht nur Verlierer. Schuldner profitieren, weil der reale Wert ihrer Schulden sinkt. Wenn du einen Immobilienkredit zu 2% Festzins hast und die Inflation bei 3% liegt, zahlst du den Kredit real mit "billigerem Geld" zurück.

Das heißt nicht: Schulden aufnehmen, um von Inflation zu profitieren. Das heißt: Ein bestehender günstiger Immobilienkredit ist in Inflationszeiten kein Problem — im Gegenteil.

Die vier größten Fehler in Inflationszeiten

Panik und alles verkaufen. Du tauschst ein temporäres Risiko (Kursverluste) gegen ein sicheres Risiko (Kaufkraftverlust). Schlechter Deal.

"Inflationsschutz"-Produkte kaufen. In Inflationszeiten vermarkten Banken verstärkt komplexe Produkte: geschlossene Fonds, Zertifikate, Rohstoff-Derivate. In den meisten Fällen profitiert nur der Verkäufer.

Immobilien um jeden Preis. "Betongold" wird in Inflationszeiten gehypt. Aber zu überhöhten Preisen mit teurer Finanzierung kaufen ist riskant — die Immobilienpreiskorrekturen 2022/2023 haben das bewiesen.

Gar nichts tun. Der schlimmste Fehler. Geld auf dem Girokonto verrotten lassen. Inflation ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein permanenter Bestandteil unseres Wirtschaftssystems. Wer nicht investiert, verliert — langsam, aber sicher.

Aktuelle Einordnung (Februar 2026)

Die EZB hält den Einlagensatz seit fünf Sitzungen bei 2,0%. Die Inflation im Euroraum liegt bei 1,7% — unter dem Zielwert. Was heißt das?

  • Aktien-ETFs bleiben die beste Langfristanlage. Egal ob 1,7% oder 5% Inflation — Aktien liefern langfristig die höchste Realrendite.
  • Festgeldzinsen nutzen, solange sie positiv-real sind. Die aktuellen 2,5–2,8% für 1-jähriges Festgeld bieten einen kleinen Realzins. Für Geld, das du mittelfristig brauchst, eine solide Option.
  • Tagesgeld regelmäßig vergleichen. Die Zinsen schwanken stark zwischen Anbietern. Ein Wechsel kann 0,5–1% Unterschied machen.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt (destatis.de): Historische Inflationsraten Deutschland
  • Eurostat: Inflationsrate Euroraum Januar 2026: 1,7%
  • EZB: Einlagensatz 2,0%, bestätigt Februar 2026
  • MSCI: Historische Renditen MSCI World Index, reale Rendite nach Inflation

Tipp: Nutze unseren Zinseszinsrechner, um zu sehen, wie sich verschiedene Renditen über lange Zeiträume auf dein Vermögen auswirken.