Zinseszinsrechner
Berechne kostenlos, wie sich dein Kapital durch den Zinseszins-Effekt mit monatlicher Sparrate über die Jahre entwickelt.
Der Zinseszinseffekt: Dein stärkster Verbündeter beim Vermögensaufbau
Albert Einstein soll den Zinseszins einmal als „achtes Weltwunder" bezeichnet haben. Ob das Zitat tatsächlich von ihm stammt, ist umstritten — die Aussage selbst ist es nicht. Der Zinseszinseffekt ist das mächtigste Werkzeug, das Privatanlegern zur Verfügung steht, und gleichzeitig eines der am häufigsten unterschätzten Prinzipien der Geldanlage. Wer ihn versteht und konsequent für sich nutzt, kann mit vergleichsweise kleinen regelmäßigen Beträgen ein beeindruckendes Vermögen aufbauen.
Was genau ist der Zinseszinseffekt?
Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Wenn du Geld anlegst und Zinsen oder Rendite erhältst, werden diese Erträge im nächsten Jahr zusammen mit deinem ursprünglichen Kapital erneut verzinst. Du verdienst also nicht nur Zinsen auf dein eingesetztes Geld, sondern auch Zinsen auf die bereits erwirtschafteten Zinsen. Dieser Effekt verstärkt sich mit jedem Jahr — und genau darin liegt die Magie.
Ein einfaches Beispiel: Du legst 10.000 Euro zu 7 % Rendite an. Nach dem ersten Jahr hast du 10.700 Euro. Im zweiten Jahr werden nicht nur die ursprünglichen 10.000 Euro verzinst, sondern die gesamten 10.700 Euro. Die Zinsen betragen nun 749 Euro statt 700 Euro. Im dritten Jahr sind es bereits 801,43 Euro. Mit jedem Jahr beschleunigt sich das Wachstum.
Nach 10 Jahren sind aus 10.000 Euro rund 19.672 Euro geworden — fast eine Verdopplung. Nach 20 Jahren sind es bereits 38.697 Euro, und nach 30 Jahren stehen 76.123 Euro auf dem Konto. Wohlgemerkt: ohne einen einzigen weiteren Euro eingezahlt zu haben. Das ist die pure Kraft des Zinseszinses.
Warum der Faktor Zeit so entscheidend ist
Der Zinseszinseffekt entfaltet seine volle Wirkung erst über längere Zeiträume. In den ersten Jahren scheint das Wachstum bescheiden, fast langweilig. Doch ab einem bestimmten Punkt beginnt die exponentielle Kurve steil nach oben zu gehen. Finanzexperten sprechen hier gerne vom „Hockey-Stick-Effekt".
Das bedeutet konkret: Wer mit 25 Jahren anfängt, monatlich 200 Euro bei 7 % Rendite zu investieren, hat mit 65 Jahren rund 525.000 Euro. Wer erst mit 35 Jahren beginnt — also nur 10 Jahre später — kommt auf etwa 244.000 Euro. Zehn Jahre Unterschied, aber mehr als die Hälfte des Endvermögens geht verloren. Das zeigt eindrucksvoll, warum der beste Zeitpunkt zum Investieren immer „jetzt" ist.
Jedes Jahr, das du früher mit dem Investieren beginnst, ist wertvoller als jedes Jahr am Ende. Der Zinseszinseffekt belohnt Geduld und einen frühen Start überproportional. Selbst kleine Beträge von 50 oder 100 Euro monatlich machen über Jahrzehnte einen enormen Unterschied.
Die 72er-Regel: Schnell im Kopf rechnen
Eine praktische Faustregel für den Zinseszins ist die sogenannte 72er-Regel. Teile einfach 72 durch den jährlichen Zinssatz, und du erhältst die ungefähre Anzahl der Jahre, die es dauert, bis sich dein Kapital verdoppelt.
- Bei 2 % Rendite: 72 ÷ 2 = 36 Jahre
- Bei 4 % Rendite: 72 ÷ 4 = 18 Jahre
- Bei 7 % Rendite: 72 ÷ 7 ≈ 10,3 Jahre
- Bei 10 % Rendite: 72 ÷ 10 = 7,2 Jahre
Diese Regel ist eine Annäherung, aber sie verdeutlicht, wie stark der Zinssatz das Ergebnis beeinflusst. Eine Verdopplung der Rendite von 3,5 % auf 7 % halbiert nicht nur die Zeit bis zur Verdopplung — sie vervielfacht das Endvermögen über lange Zeiträume dramatisch.
Zinseszins bei verschiedenen Anlageformen
Nicht jede Anlageform profitiert gleichermaßen vom Zinseszinseffekt. Hier ein Überblick:
Tagesgeld und Festgeld: Die Zinsen werden automatisch dem Konto gutgeschrieben und im nächsten Zeitraum mitverzinst. Der Effekt ist vorhanden, aber bei aktuell moderaten Zinsen relativ überschaubar. Allerdings bieten diese Anlagen Sicherheit und Planbarkeit.
Aktien-ETFs: Bei thesaurierenden ETFs werden Dividenden automatisch reinvestiert. Das ist der klassische Zinseszinseffekt im Aktienmarkt. Historisch lag die durchschnittliche Rendite globaler Aktien-ETFs bei etwa 7–8 % pro Jahr. Über 20 oder 30 Jahre entfaltet sich hier enormes Wachstumspotenzial.
Ausschüttende Fonds: Bei ausschüttenden Fonds musst du die Dividenden selbst reinvestieren, sonst geht der Zinseszinseffekt teilweise verloren. Viele Broker bieten hierfür automatische Wiederanlage-Funktionen an.
Einzelaktien: Hier profitierst du ebenfalls, wenn du Dividenden reinvestierst und die Kurse langfristig steigen. Allerdings trägst du ein höheres Einzelrisiko als bei breit gestreuten ETFs.
Für den maximalen Zinseszinseffekt sind thesaurierende ETFs ideal, da die Erträge automatisch reinvestiert werden. Bei ausschüttenden Varianten musst du aktiv werden — oder eine automatische Wiederanlage einrichten.
Steuern und Inflation: Die unsichtbaren Bremsen
In der Theorie klingt der Zinseszins fantastisch, aber zwei Faktoren bremsen ihn in der Praxis: Steuern und Inflation.
Abgeltungssteuer: In Deutschland werden Kapitalerträge mit 25 % Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer besteuert. Das reduziert deine effektive Rendite. Allerdings gibt es den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro für Ehepaare), bis zu dem Erträge steuerfrei bleiben.
Inflation: Die Inflation entwertet dein Geld schleichend. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 % und einer Nominalrendite von 7 % beträgt deine reale Rendite nur noch etwa 5 %. Unser Rechner zeigt dir die nominale Rendite — behalte die Inflation bei deiner Planung im Hinterkopf.
Eine Rendite von 7 % klingt gut, aber nach Abzug von Inflation (ca. 2 %) und Steuern bleiben real oft nur 3–4 % übrig. Plane konservativ und freue dich, wenn es mehr wird.
So nutzt du unseren Zinseszinsrechner richtig
- Anfangskapital eingeben: Wie viel Geld steht dir heute zur Verfügung? Auch 0 Euro sind ein valider Startpunkt.
- Monatliche Sparrate festlegen: Wie viel kannst du monatlich realistisch zur Seite legen? Fange lieber klein an und steigere dich, als zu ambitioniert zu starten.
- Anlagedauer wählen: Je länger, desto besser. Plane mindestens 10 Jahre, besser 15–20 Jahre oder mehr.
- Erwartete Rendite: Für breit gestreute Aktien-ETFs sind 6–8 % p.a. ein realistischer langfristiger Wert. Für Festgeld aktuell 2–4 %.
- Ergebnis analysieren: Schau dir an, wie sich Einzahlungen und Zinserträge über die Zeit entwickeln. Besonders das Verhältnis von eingezahltem Kapital zu Zinseszinsertrag ist aufschlussreich.
Praktische Strategien für maximalen Zinseszins
Automatisiere deine Sparrate: Richte einen Dauerauftrag oder automatischen Sparplan ein. So investierst du regelmäßig, ohne darüber nachdenken zu müssen. Konsistenz schlägt Timing.
Erhöhe schrittweise: Immer wenn dein Gehalt steigt, erhöhe auch deine Sparrate. Schon 25 oder 50 Euro mehr pro Monat machen über Jahrzehnte einen riesigen Unterschied.
Nicht rausnehmen: Widerstehe der Versuchung, Gewinne frühzeitig abzuziehen. Jeder Euro, den du entnimmst, fehlt beim Zinseszinseffekt — und zwar nicht nur dieser eine Euro, sondern alle zukünftigen Zinsen darauf.
Kosten minimieren: Hohe Gebühren fressen deinen Zinseszins auf. Ein ETF mit 0,2 % TER statt eines aktiven Fonds mit 1,5 % TER kann über 30 Jahre den Unterschied von mehreren zehntausend Euro ausmachen. Nutze unseren Fonds-Sparplanrechner, um die Auswirkungen von Kosten zu simulieren.
Häufig gestellte Fragen zum Zinseszins
Der Zinseszinseffekt wirkt bei jedem Betrag — egal ob 25 Euro oder 25.000 Euro. Entscheidend sind die Rendite und vor allem die Zeit. Schon ein Sparplan mit 50 Euro monatlich kann über 30 Jahre zu einem beachtlichen Vermögen anwachsen. Es gibt keinen Mindestbetrag, ab dem der Effekt erst „losgeht". Wichtiger als die Höhe des Startkapitals ist die Regelmäßigkeit und Dauer deiner Investitionen.
Beim einfachen Zins werden die Erträge jedes Jahr nur auf das ursprüngliche Kapital berechnet. Beim Zinseszins hingegen werden die Erträge reinvestiert und im Folgejahr mitgezinst. Über kurze Zeiträume ist der Unterschied gering. Über 20 oder 30 Jahre kann der Zinseszins aber das Drei- bis Sechsfache des einfachen Zinses ausmachen. Deshalb ist es so wichtig, Erträge nicht zu entnehmen, sondern reinvestieren zu lassen.
Ja, und zwar besonders bei thesaurierenden ETFs. Diese reinvestieren Dividenden automatisch, sodass du ohne eigenes Zutun vom Zinseszinseffekt profitierst. Bei einem breit gestreuten Welt-ETF mit historisch ca. 7 % Rendite pro Jahr ist der Effekt über lange Zeiträume enorm. Selbst bei ausschüttenden ETFs profitierst du, wenn du die Ausschüttungen manuell reinvestierst.
Ja — und zwar bei Schulden. Wenn du einen Kredit mit hohen Zinsen hast (z. B. Dispo mit 10–15 %), wirkt der Zinseszinseffekt gegen dich. Die Zinsen auf unbezahlte Schulden werden zum Kapital addiert, und du zahlst Zinsen auf Zinsen. Deshalb ist es sinnvoll, hochverzinste Schulden immer zuerst abzuzahlen, bevor du mit dem Investieren beginnst.
Historisch betrachtet hat der MSCI World Index seit 1970 eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 7–8 % erzielt (nach Inflation ca. 5–6 %). Das ist ein Durchschnittswert über Jahrzehnte — in einzelnen Jahren kann die Rendite stark schwanken, von -40 % bis +30 %. Für langfristige Planungen über 15+ Jahre sind 6–7 % ein solider und realistischer Richtwert für breit gestreute Aktien-ETFs.
Das hängt von der Anlageform ab. Bei Tagesgeld und Festgeld erfolgt die Zinsgutschrift häufig jährlich oder quartalsweise. Bei ETFs findet die Wertsteigerung täglich statt, da sich die Kurse börsentäglich ändern. Unser Rechner kalkuliert mit monatlicher Verzinsung, was für Sparpläne die realitätsnähste Annahme ist. Je häufiger die Verzinsung erfolgt, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt.