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Altersvorsorge mit ETFs: Warum deine Rente nicht reicht und was du dagegen tun kannst

Du verdienst 3.000€ netto. Deine gesetzliche Rente: ~1.400€. Deine Miete allein: 1.200€. Die Rechnung geht nicht auf — außer du tust jetzt etwas.

5. Februar 20266 min read

Die Rechnung, die keiner machen will

Du bist 30 Jahre alt und verdienst 3.000€ netto. Du gehst mit 67 in Rente. Deine gesetzliche Rente: ungefähr 1.400€ netto (Quelle: Deutsche Rentenversicherung — das Nettorentenniveau liegt bei rund 48% des letzten Nettogehalts).

Deine Miete in 37 Jahren wird nicht weniger als heute. Strom, Lebensmittel, Versicherungen — auch nicht. Und dazu kommen: höhere Gesundheitskosten, Pflegebedarf, Medikamente. Die 1.400€ reichen vorne und hinten nicht.

Die Differenz zwischen dem, was du brauchst, und dem, was die gesetzliche Rente liefert, heißt Rentenlücke. Und diese Lücke wird für die meisten Menschen irgendwas zwischen 500€ und 1.500€ pro Monat betragen.

Beispielrechnung:

  • Gewünschtes Einkommen im Alter: 2.200€ netto
  • Erwartete gesetzliche Rente: 1.400€ netto
  • Rentenlücke: 800€ pro Monat

Um 800€ pro Monat über 25 Jahre Rentenzeit abzudecken, brauchst du ein Vermögen von rund 240.000€. Ohne Inflationsbereinigung. Real deutlich mehr.

Rentenlücken-Rechner

Finde heraus, wie viel du monatlich sparen musst, um deine Rentenlücke zu schließen.

Dein Alter30 Jahre
Nettogehalt3.000 €
Erwartete Rente1.400 €
Wunsch-Rente2.200 €

Gesetzl. Rente

1.400 €

Lücke

800 €

Rentenlücke/Monat

800 €

Benötigtes Kapital

240.000 €

Nötige Sparrate

114 €/M

Das entspricht 4% deines Nettogehalts. Bei 7% Rendite über 37 Jahre bis zur Rente.

Warum Riester, Rürup und Co. für die meisten nicht die Lösung sind

Ich sage das ungern so direkt, aber mein BWL-Studium mit Schwerpunkt Finance hat mir beigebracht, Produkte an ihren Zahlen zu messen — nicht an ihren Versprechen.

Riester-Rente: Komplex, teuer (oft 1–2% jährliche Kosten), niedrige Rendite. Für Geringverdiener und Familien mit vielen Kindern können die Zulagen sich lohnen. Für die meisten anderen gibt es bessere Alternativen.

Rürup-Rente: Steuervorteile in der Ansparphase, aber: Geld komplett gebunden bis zur Rente, hohe Kosten, keine Vererbbarkeit. Primär für Selbstständige und Gutverdiener interessant.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Kann sich lohnen, wenn der Arbeitgeber ordentlich dazuzahlt (mehr als die gesetzlichen 15%). Ohne substanziellen Arbeitgeberzuschuss oft nicht attraktiv.

Kapitallebensversicherung: Ein Relikt. Hohe Kosten, niedrige Rendite, unflexibel. Neue Verträge machen in der aktuellen Zinslandschaft keinen Sinn.

Warum ETFs die bessere Altersvorsorge sind

KriteriumETF-SparplanRiesterLebensversicherung
Rendite (historisch)7–8% p.a.2–3% p.a.1–2% p.a.
Kosten p.a.0,1–0,2%1–2%1,5–3%
FlexibilitätVollKeineKeine
TransparenzVollGeringGering
VererbbarkeitJaEingeschränktEingeschränkt

Die Zahlen sprechen für sich. Ein Welt-ETF mit 0,2% Kosten und 7% historischer Rendite schlägt jedes Versicherungsprodukt. Und du bist an nichts gebunden — du kannst jederzeit die Sparrate ändern, pausieren oder Geld entnehmen.

48%

Rentenniveau aktuell

800€

Typische Rentenlücke/Monat

7–8%

Historische ETF-Rendite p.a.

Wie viel musst du monatlich sparen?

Bei 7% durchschnittlicher Rendite, Ziel: 300.000€:

StartälterSparrate/MonatEingezahltDavon Zinseszins
25 (42 Jahre)~100€50.400€249.600€
30 (37 Jahre)~150€66.600€233.400€
35 (32 Jahre)~220€84.480€215.520€
40 (27 Jahre)~350€113.400€186.600€
45 (22 Jahre)~505€133.320€166.680€

Die Zahlen zeigen das Offensichtliche: Je früher du anfängst, desto weniger musst du aufbringen. Mit 25 reichen 100€. Mit 45 brauchst du das Fünffache für das gleiche Ergebnis. Das ist der Zinseszins — und er wartet nicht.

ETF-Strategie nach Lebensphase

25–45 Jahre: Voll Aktien

In dieser Phase hast du 20–40 Jahre bis zur Rente. Genug Zeit, jeden Crash auszusitzen.

  • 100% Aktien-ETF (Welt-ETF)
  • Thesaurierend für maximalen Zinseszins
  • Sparplan stur laufen lassen, egal was der Markt macht
  • Bei jeder Gehaltserhöhung: mindestens 50% in den Sparplan

45–55 Jahre: Erste Absicherung

Der Horizont wird kürzer, aber ist noch lang genug für Aktien.

  • 80% Aktien-ETF, 20% Anleihen-ETF oder Festgeld
  • Sparrate maximieren — die letzten Jahre vor der Rente sind die ertragreichsten
  • Bestandsaufnahme: Passt die Sparrate zum Zielkapital?

55–67 Jahre: Übergang vorbereiten

  • 60–70% Aktien-ETF, 30–40% Anleihen/Festgeld
  • Aber: Nicht alles umschichten. Auch mit 67 hast du noch 20–30 Jahre Anlagehorizont
  • Entnahmeplan vorbereiten

Ab 67 Jahre: Entnahme

  • 50–60% Aktien-ETF, 40–50% Anleihen/Tagesgeld/Festgeld
  • Entnahmerate: 3,5–4% pro Jahr
  • Regelmäßiges Rebalancing

Die 4%-Regel: Wie lange reicht dein Geld?

Die Trinity-Studie (1998, aktualisiert in zahlreichen Folgestudien) zeigt: Wenn du jährlich maximal 4% deines Anfangsvermögens entnimmst (inflationsbereinigt), reicht dein Geld mit über 95% Wahrscheinlichkeit mindestens 30 Jahre.

Beispiel: 400.000€ im Depot → 4% = 16.000€/Jahr = 1.333€/Monat. Diesen Betrag erhöhst du jährlich um die Inflationsrate. Historisch wäre in den meisten 30-Jahres-Zeiträumen am Ende sogar mehr übrig gewesen als am Anfang.

Wichtig zu beachten: Die Trinity-Studie basiert auf US-Marktdaten. Für global diversifizierte Portfolios und konservativere Annahmen sind eher 3,0–3,5% empfehlenswert. Lieber etwas weniger entnehmen und dafür sicher über die Runden kommen. Flexible Strategien (in Krisenzeiten weniger entnehmen) erhöhen die Sicherheit zusätzlich.

Steuerliche Aspekte

Ansparphase: Thesaurierende ETFs → nur jährliche Vorabpauschale. Teilfreistellung von 30%. Sparerpauschbetrag nutzen. Details im Steuer-Ratgeber.

Entnahmephase: Beim Verkauf fällt Abgeltungssteuer auf den Gewinn an. FIFO-Prinzip beachten. Bei niedrigerem Einkommen im Alter kann die Günstigerprüfung greifen.

ETF vs. Riester im Steuervergleich: Riester bietet Steuervorteile in der Ansparphase, aber die Auszahlungen werden voll besteuert (nachgelagerte Besteuerung). ETFs haben dank Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag oft die effektivere Steuerbelastung — bei deutlich niedrigeren Kosten und höherer Rendite.

Welcher ETF für die Altersvorsorge?

Maximal breit, maximal günstig:

ETFISINTERStrategie
Vanguard FTSE All-World (Acc)IE00BK5BQT800,22%~3.700 Unternehmen, inkl. Schwellenländer
iShares Core MSCI World (Acc)IE00B4L5Y9830,20%~1.400 Unternehmen, Industrieländer
SPDR MSCI ACWI IMI (Acc)IE00B3YLTY660,17%~3.500 Unternehmen, inkl. Small Caps

Für die Anleihen-Komponente in späteren Phasen:

ETFISINTER
iShares Core € Govt BondIE00B4WXJJ640,09%
Xtrackers Global Gov. BondLU09085087310,20%

Fang heute an

Das ist kein Verkaufs-Slogan, das ist Mathematik. Jedes Jahr, das du wartest, kostet dich überproportional viel. Mit 25 brauchst du 100€ im Monat für 300.000€ zur Rente. Mit 40 brauchst du 350€. Und mit 55? Dann wird es richtig teuer — oder du musst deine Erwartungen an den Ruhestand runterschrauben.

Ein Depot, ein Welt-ETF, ein Sparplan. Mehr brauchst du nicht. Keinen Finanzberater, keinen Versicherungsvertreter, kein komplexes Produkt. Die wichtigste Zutat ist Zeit — und die wird jeden Tag weniger.

Quellen

  • Deutsche Rentenversicherung: Nettorentenniveau ~48% des letzten Nettogehalts
  • Cooley, Hubbard & Walz: "Retirement Savings: Choosing a Withdrawal Rate That Is Sustainable" (Trinity Study, 1998)
  • MSCI: Historische Renditen MSCI World Index
  • Investmentsteuergesetz: Teilfreistellung §20 InvStG

Tipp: Berechne mit unserem ETF-Sparplanrechner, wie viel du monatlich sparen musst, um deine Rentenlücke zu schließen.