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Die besten Rohstoff-ETFs 2026 im Vergleich

Rohstoff-ETFs vergleichen: Gold-ETFs, Silber-ETFs und breit diversifizierte Commodity-ETFs. Performance, Kosten und physisch vs. synthetisch im Überblick.

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Rohstoff-ETFs und ETCs: Gold, Silber und Commodities im Portfolio

Gold hat in den letzten 20 Jahren seinen Wert mehr als vervierfacht. In Finanzkrisen, Inflationsschüben und geopolitischen Spannungen hat es sich regelmäßig als Wertanker bewährt — während Aktien teils massiv einbrachen. Rohstoff-ETFs und ETCs ermöglichen den Zugang zu Gold, Silber, Öl und breiten Rohstoff-Baskets, ohne die physische Lagerung selbst organisieren zu müssen.

Allerdings sind Rohstoffe als Anlageklasse komplexer als Aktien oder Anleihen. Wer Rohstoff-ETFs verstehen will, muss den Unterschied zwischen ETF und ETC kennen, Futures-Mechanismen wie Contango und Backwardation einordnen können und die steuerlichen Besonderheiten bei Gold-ETCs beachten.

~+320 %

Goldpreisentwicklung der letzten 20 Jahre (in EUR)

0,00–0,12

Korrelation Gold/MSCI World (niedrig = gute Diversifikation)

5–15 %

Empfohlener Goldanteil im Portfolio (je nach Strategie)

ETF vs. ETC: Warum es bei Rohstoffen keine „echten" ETFs gibt

Aus regulatorischen Gründen dürfen europäische UCITS-ETFs nicht in einen einzigen Rohstoff investieren — die Diversifikationsvorschrift verbietet das. Gold-Produkte, Silber-Produkte und andere Einzelrohstoff-Anlagen werden daher als ETC (Exchange Traded Commodity) aufgelegt. Technisch sind ETCs besicherte Schuldverschreibungen — kein Sondervermögen wie ein ETF.

Das klingt riskanter, als es in der Praxis ist: Bei physisch hinterlegten ETCs lagert tatsächlich Gold (oder Silber, Platin etc.) in Tresoren als Sicherheit. Geht der Emittent pleite, dient das physische Metall als Deckung für die Anleger. Das Emittentenrisiko ist dadurch stark reduziert.

Breit diversifizierte Rohstoff-ETFs (die in viele Rohstoffe gleichzeitig investieren) können dagegen als UCITS-ETF aufgelegt sein, weil sie die Diversifikationsanforderung erfüllen. Sie nutzen allerdings Futures-Kontrakte statt physische Rohstoffe — mit eigenen Tücken.

Arten von Rohstoff-Produkten

Gold-ETCs

Die beliebteste und liquideste Rohstoffanlage. Physisch besicherte Gold-ETCs halten echtes Gold in Tresoren — typischerweise bei Verwahrstellen wie der Deutschen Börse (Xetra-Gold), der London Bullion Market Association oder spezialisierten Anbietern.

Die wichtigsten Gold-ETCs unterscheiden sich in einem entscheidenden Detail: dem Lieferanspruch. Manche Gold-ETCs (wie Xetra-Gold oder Euwax Gold II) verbriefen einen Anspruch auf physische Auslieferung des Goldes. Das hat steuerliche Konsequenzen (siehe unten).

Silber-ETCs

Ähnlich aufgebaut wie Gold-ETCs, aber mit deutlich höherer Volatilität. Silber hat neben der Funktion als Wertaufbewahrungsmittel einen starken industriellen Nachfrageanteil (Elektronik, Solarmodule, Medizin). Dadurch korreliert Silber stärker mit dem Konjunkturzyklus als Gold.

Breit diversifizierte Rohstoff-ETFs

Bilden Indizes wie den Bloomberg Commodity Index oder den Refinitiv/CoreCommodity CRB Index ab. Investieren über Futures in einen Korb aus Energierohstoffen (Öl, Gas), Industriemetallen (Kupfer, Aluminium), Edelmetallen (Gold, Silber) und Agrarrohstoffen (Weizen, Soja). Der Nachteil: Futures-basierte Produkte unterliegen Rollverlusten.

Einzelrohstoff-ETCs

ETCs auf einzelne Rohstoffe wie Öl, Kupfer, Platin oder Palladium. Diese Produkte sind für die meisten Privatanleger eher spekulativer Natur und erfordern ein Verständnis der jeweiligen Rohstoffmärkte.

Konkrete Produkte im Vergleich

ProduktISINRohstoffTERBesicherungLieferanspruch
Xetra-GoldDE000A0S9GB0Gold0,36 % (Lagergebühr)Physisch (Deutsche Börse)Ja
Euwax Gold IIDE000EWG2LD7Gold0,00 %Physisch (Boerse Stuttgart)Ja
Invesco Physical GoldIE00B579F325Gold0,12 %Physisch (LBMA-Tresor)Nein
iShares Physical GoldIE00B4ND3602Gold0,12 %Physisch (LBMA-Tresor)Nein
Xtrackers Physical SilverDE000A1E0HS6Silber0,40 %PhysischNein
iShares Diversified Commodity SwapIE00BDFL4P12Rohstoff-Basket0,19 %Synthetisch (Swap)

Stand: Februar 2026.

Auffällig: Euwax Gold II hat keine laufenden Kosten (0,00 % TER) — die Börse Stuttgart finanziert das Produkt über den Spread. Dafür ist der Spread beim Kauf/Verkauf etwas breiter als bei den ETCs von iShares oder Invesco.

Contango und Backwardation: Warum Futures-basierte Rohstoff-ETFs tückisch sein können

Breit diversifizierte Rohstoff-ETFs und viele Einzelrohstoff-ETCs (z. B. auf Öl) investieren nicht in physische Rohstoffe, sondern in Futures-Kontrakte. Ein Future hat ein Ablaufdatum — kurz davor muss der ETF den auslaufenden Future verkaufen und einen neuen mit späterem Ablaufdatum kaufen. Das nennt man „Rollen".

Contango: Wenn der nächste Future teurer ist als der aktuelle (Normalfall bei vielen Rohstoffen), entsteht beim Rollen ein Verlust — die sogenannten Rollverluste. Der Rohstoffpreis kann stagnieren, und trotzdem verliert der ETF an Wert.

Backwardation: Wenn der nächste Future günstiger ist als der aktuelle, entsteht ein Rollgewinn. Das kommt bei einigen Rohstoffen zeitweise vor, ist aber nicht der Normalzustand.

In der Praxis haben Rollverluste bei Öl-ETCs über die letzten 15 Jahre die Rendite massiv geschmälert. Ein Investment in Öl-Futures hat sich trotz steigender Ölpreise oft nicht gelohnt. Bei Gold sind Rollverluste kein Thema — deshalb sind Gold-ETCs fast immer physisch besichert.

Vorsicht bei Öl- und Rohstoff-Futures-ETFs

Rohstoff-ETFs, die über Futures investieren, können selbst bei steigenden Rohstoffpreisen Verluste einfahren — durch den Contango-Effekt. Das gilt besonders für Energie-Futures (Öl, Gas). Für Privatanleger ist ein physisch besicherter Gold-ETC in der Regel die bessere Wahl als ein breiter Rohstoff-Futures-ETF.

Steuerliche Besonderheiten bei Gold-ETCs

Hier wird es für deutsche Anleger interessant: Gold-ETCs mit physischem Lieferanspruch (wie Xetra-Gold und Euwax Gold II) werden steuerlich wie physisches Gold behandelt. Das bedeutet:

Nach einem Jahr Haltefrist ist der Gewinn komplett steuerfrei.

Das bestätigte der Bundesfinanzhof 2015 (Urteil vom 12.05.2015, VIII R 4/15). Gold-ETCs mit Lieferanspruch fallen unter § 23 EStG (privates Veräußerungsgeschäft) — genau wie physische Goldmünzen oder -barren.

Gold-ETCs ohne Lieferanspruch (wie Invesco Physical Gold oder iShares Physical Gold) unterliegen dagegen der normalen Abgeltungssteuer (~26,4 %) auf Gewinne, unabhängig von der Haltedauer. Hier gibt es auch keine Teilfreistellung.

Der Unterschied ist erheblich: Bei einem Gold-Gewinn von 10.000 € nach 2 Jahren Haltedauer zahlst du bei Xetra-Gold 0 € Steuern, bei Invesco Physical Gold rund 2.640 €.

Gold-ETCLieferanspruchSteuer nach >1 JahrTER
Xetra-GoldJaSteuerfrei0,36 %
Euwax Gold IIJaSteuerfrei0,00 %
Invesco Physical GoldNein~26,4 % Abgeltungssteuer0,12 %
iShares Physical GoldNein~26,4 % Abgeltungssteuer0,12 %

Unsere Einschätzung: Wer Gold länger als ein Jahr halten will (was bei Gold typischerweise der Fall ist), fährt mit Xetra-Gold oder Euwax Gold II steuerlich deutlich besser — trotz der höheren laufenden Kosten. Die Steuerfreiheit nach einem Jahr überkompensiert die TER-Differenz bei weitem.

Die Rolle von Rohstoffen im Portfolio

Rohstoffe — insbesondere Gold — dienen im Portfolio primär der Diversifikation und dem Inflationsschutz. Gold hat eine historisch niedrige Korrelation zu Aktien: Wenn Aktienmärkte fallen, steigt Gold häufig (aber nicht immer). Diese Eigenschaft kann die Gesamtvolatilität des Portfolios reduzieren.

Wie viel Gold/Rohstoffe im Portfolio?

Die Meinungen gehen auseinander:

  • Klassisch konservativ (5–10 %): Eine moderate Beimischung als „Versicherung" gegen Extremereignisse und Inflation.
  • Ray Dalio All-Weather (7,5 %): Das bekannte Allwetter-Portfolio sieht 7,5 % in Gold und 7,5 % in breit diversifizierten Rohstoffen vor.
  • Norwegischer Staatsfonds (0 %): Der größte Staatsfonds der Welt hält keine Rohstoffe — weil sie keine laufenden Erträge abwerfen.

Der letzte Punkt ist eine berechtigte Kritik: Rohstoffe zahlen keine Dividenden und keine Zinsen. Ihre Rendite kommt ausschließlich aus Preissteigerungen. Langfristig liegt die reale Rendite von Gold bei rund 1–2 % pro Jahr — deutlich unter Aktien.

Vorteile
  • +Gold als Krisenwährung mit niedriger Korrelation zu Aktien
  • +Inflationsschutz: Gold hat über Jahrhunderte seinen Kaufkraftwert erhalten
  • +Gold-ETCs mit Lieferanspruch nach 1 Jahr steuerfrei veräußerbar
  • +Physisch besicherte ETCs minimieren Emittentenrisiko
  • +Einfacher Zugang über die Börse ohne physische Lagerung
Nachteile
  • Keine laufenden Erträge (keine Dividenden, keine Zinsen)
  • Langfristige Realrendite deutlich unter Aktien
  • Futures-basierte Rohstoff-ETFs leiden unter Rollverlusten
  • Gold kann über Jahre seitwärts laufen (z. B. 2013–2019)
  • ETCs sind keine Sondervermögen (Schuldverschreibungen)
  • Breit diversifizierte Rohstoff-ETFs sind komplex (Contango, Rollzyklen)

Häufig gestellte Fragen zu Rohstoff-ETFs und ETCs

Physisches Gold (Barren, Münzen) hat den Vorteil, dass du es selbst verwahrst und kein Gegenparteirisiko trägst. Nachteile: Lagerung (Safe, Bankschließfach), Versicherung und beim Verkauf oft schlechtere Konditionen (Händlermarge). Gold-ETCs mit Lieferanspruch (Xetra-Gold, Euwax Gold II) bieten denselben Steuervorteil, sind aber einfacher zu handeln. Für Beträge unter 50.000 € sind Gold-ETCs in der Regel die praktischere Lösung. Für sehr große Beträge oder als ultimative Absicherung bevorzugen manche Anleger physisches Gold.

Teilweise. Gold hat sich historisch als Inflationsschutz bewährt — allerdings nicht in jedem Zeitraum. In den 1980er und 1990er Jahren fiel der Goldpreis real, obwohl die Inflation moderat war. Breit diversifizierte Rohstoff-ETFs können kurzfristig von Inflationsschüben profitieren, verlieren aber durch Rollverluste langfristig an Wert. Aktien — insbesondere Unternehmen mit Preissetzungsmacht — sind langfristig der bessere Inflationsschutz als Rohstoffe.

Rollverluste entstehen, wenn ein Futures-basierter ETF auslaufende Futures durch teurere ersetzen muss (Contango-Situation). Das betrifft alle Rohstoff-ETFs und -ETCs, die über Futures investieren — also breit diversifizierte Rohstoff-ETFs und die meisten Einzelrohstoff-ETCs (Öl, Gas, Agrar). Physisch besicherte Gold- und Silber-ETCs sind nicht betroffen, weil sie tatsächliche Metalle halten und nicht über Futures investieren.

Gold-ETCs mit physischem Lieferanspruch (Xetra-Gold, Euwax Gold II) werden steuerlich wie physisches Gold behandelt (BFH-Urteil vom 12.05.2015). Hältst du den ETC länger als 12 Monate, ist der Gewinn bei Verkauf komplett steuerfrei — unabhängig von der Höhe. Verkaufst du innerhalb von 12 Monaten, fällt der Gewinn unter § 23 EStG und wird mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert (nicht Abgeltungssteuer). Gold-ETCs ohne Lieferanspruch werden immer mit Abgeltungssteuer besteuert.

Für die meisten Privatanleger sind 5–10 % Gold als Krisenversicherung und Diversifikation sinnvoll. Mehr als 15 % sind selten gerechtfertigt, weil Rohstoffe keine laufenden Erträge liefern und die langfristige Rendite unter der von Aktien liegt. Breit diversifizierte Rohstoff-Futures-ETFs empfehlen wir für die meisten Anleger nicht — die Rollverluste fressen die Rendite. Wenn Rohstoffe, dann physisch besichertes Gold.

Quellen

  • World Gold Council: Gold Demand Trends und historische Preisentwicklung
  • BFH: Urteil vom 12.05.2015 (VIII R 4/15) — Steuerliche Behandlung von Gold-ETCs
  • Bloomberg: Commodity Index — Zusammensetzung und Performance, Contango-/Backwardation-Analyse
  • Deutsche Börse: Xetra-Gold — Produktstruktur und Verwahrung
  • Boerse Stuttgart: Euwax Gold II — Kostenstruktur und Lieferanspruch