Die besten Anleihen-ETFs 2026 im Vergleich
Anleihen-ETFs vergleichen: Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und High-Yield-Bonds. Rendite, Laufzeit und Kosten aller Bond-ETFs im Überblick.
Anleihen-ETFs: Stabilität und laufende Erträge fürs Portfolio
Anleihen-ETFs haben nach der Zinswende 2022/2023 ein Comeback erlebt. Jahre lang galten festverzinsliche Wertpapiere als unattraktiv — bei Null- und Negativzinsen war mit Staatsanleihen schlicht kein Geld zu verdienen. Das hat sich grundlegend geändert: Euro-Staatsanleihen bieten wieder substanzielle Renditen, und Anleihen-ETFs sind als Baustein zur Risikoreduktion ins Portfolio zurückgekehrt.
Allerdings hat die Zinswende vielen Anlegern auch schmerzhaft gezeigt, was Duration-Risiko bedeutet: Langlaufende Anleihen-ETFs verloren 2022 teilweise 20–30 % — ein Schock für alle, die Anleihen als „sicher" betrachtet hatten. Wer Anleihen-ETFs richtig einsetzen will, muss verstehen, wie sie funktionieren.
~2,5–3,0 %
Rendite Euro-Staatsanleihen (mittlere Laufzeit, Stand Feb 2026)
−20 bis −30 %
Drawdown langlaufender Anleihen-ETFs im Jahr 2022
0,07–0,20 %
TER der günstigsten Anleihen-ETFs
Wie funktionieren Anleihen-ETFs?
Eine Anleihe ist ein Schuldtitel: Du leihst einem Staat oder Unternehmen Geld und bekommst dafür regelmäßige Zinszahlungen (Kupons) und am Ende der Laufzeit dein Kapital zurück. Der Kurs einer Anleihe am Markt schwankt in Abhängigkeit vom aktuellen Zinsniveau — und genau das macht Anleihen-ETFs komplexer, als viele denken.
Ein Anleihen-ETF hält einen Korb aus Dutzenden oder Hunderten Anleihen und bildet einen Anleihenindex nach. Wenn einzelne Anleihen auslaufen, kauft der ETF neue hinzu — der Fonds rollt also ständig. Dadurch hat ein Anleihen-ETF im Gegensatz zu einer Einzelanleihe kein festes Fälligkeitsdatum und keine garantierte Rückzahlung zum Nennwert.
Duration: Die wichtigste Kennzahl bei Anleihen-ETFs
Die Duration misst die Zinssensitivität eines Anleihen-ETFs. Vereinfacht: Eine Duration von 7 bedeutet, dass der ETF-Kurs um etwa 7 % fällt, wenn das Zinsniveau um 1 Prozentpunkt steigt — und umgekehrt. Je länger die Duration, desto stärker reagiert der ETF auf Zinsänderungen.
Konkretes Beispiel: Der iShares Euro Government Bond 15-30yr ETF (Duration ~15) verlor 2022 rund 30 %, als die EZB die Zinsen von 0 % auf 4 % anhob. Ein kurzlaufender ETF mit Duration 2 verlor im selben Zeitraum nur rund 3–4 %.
Faustregel: Wer keine Zinsrichtung vorhersagen will (was die meisten Anleger nicht können), sollte eine mittlere Duration von 5–7 Jahren wählen — oder bei hoher Unsicherheit auf kurzlaufende Anleihen-ETFs setzen.
Arten von Anleihen-ETFs
Staatsanleihen
Anleihen von Regierungen. Euro-Staatsanleihen (Bundesanleihen, französische OATs, etc.) gelten als die sichersten, US Treasuries bieten oft höhere Renditen, kommen aber mit Währungsrisiko. Innerhalb der Eurozone gibt es ein Bonitätsspektrum von AAA (Deutschland, Niederlande) bis knapp Investment Grade (Italien, Griechenland).
Unternehmensanleihen (Investment Grade)
Bonds von Unternehmen mit guter bis sehr guter Bonität (Rating BBB oder besser). Bieten typischerweise 0,5–1,5 Prozentpunkte mehr Rendite als vergleichbare Staatsanleihen — der sogenannte Credit Spread als Kompensation für das höhere Ausfallrisiko.
High-Yield-Anleihen
Anleihen von Unternehmen mit niedrigerer Bonität (Rating unter BBB). Höhere Renditen (aktuell 5–7 %), aber auch deutlich höheres Ausfallrisiko. In Krisen korrelieren High-Yield-Anleihen stark mit Aktien — sie bieten also weniger Diversifikation, als man vermuten würde.
Inflationsgeschützte Anleihen
Die Rückzahlung und/oder die Kupons sind an die Inflationsrate gekoppelt. In der Eurozone gibt es inflationsindexierte Bundesanleihen (Linker), die bei steigender Inflation mehr auszahlen. Nachteil: Bei fallender Inflation oder Deflation kann die Rendite unter die einer klassischen Anleihe fallen.
Aggregate-Bond-Indizes
Breite Mischung aus Staats- und Unternehmensanleihen, oft global. Der Bloomberg Global Aggregate ist der bekannteste — er enthält Tausende Anleihen aus verschiedenen Ländern und Sektoren. Gut als Basisanlage für den Anleihenanteil eines Portfolios.
Konkrete Anleihen-ETFs im Vergleich
| ETF | ISIN | Kategorie | TER | Duration | Rendite (ca.) |
|---|---|---|---|---|---|
| iShares Euro Govt Bond 1-3yr | IE00B14X4Q57 | Staatsanleihen kurz | 0,20 % | ~2 | ~2,5 % |
| iShares Core Euro Govt Bond | IE00B4WXJJ64 | Staatsanleihen gemischt | 0,07 % | ~7 | ~2,8 % |
| Xtrackers Eurozone Govt Bond | LU0290355717 | Staatsanleihen Euro | 0,15 % | ~7 | ~2,8 % |
| iShares Euro Corp Bond | IE00B3F81R35 | Unternehmensanleihen IG | 0,20 % | ~5 | ~3,5 % |
| iShares Euro High Yield Corp | IE00B66F4759 | High Yield | 0,50 % | ~3 | ~5,5 % |
| iShares Global Aggregate Bond (EUR Hedged) | IE00BDBRDM35 | Global Aggregate | 0,10 % | ~6 | ~3,0 % |
Stand: Februar 2026. Renditen sind Yield to Maturity (Effektivverzinsung), gerundet.
Währungsrisiko: Der unterschätzte Faktor
Anleihen in Fremdwährung — etwa US Treasuries oder britische Gilts — bieten oft höhere Renditen als Euro-Anleihen. Allerdings trägst du zusätzlich ein Währungsrisiko: Wenn der US-Dollar gegenüber dem Euro fällt, kann die Währungsabwertung den Zinsvorteil auffressen oder sogar ins Negative drehen.
Währungsgesicherte ETFs (mit „EUR Hedged" im Namen) eliminieren dieses Risiko durch Absicherungsgeschäfte. Die Absicherung kostet allerdings eine Gebühr, die der Zinsdifferenz zwischen den Währungen entspricht. In der Praxis heißt das: Ein währungsgesicherter US-Treasury-ETF liefert ungefähr die gleiche Rendite wie ein Euro-Staatsanleihen-ETF — der Zinsvorteil wird durch die Hedging-Kosten weitgehend aufgezehrt.
Unsere Einschätzung: Für den risikoarmen Portfolioanteil sollten Euro-Anleihen oder währungsgesicherte globale Anleihen-ETFs die erste Wahl sein. Ungehedgte Fremdwährungsanleihen bringen zusätzliche Volatilität ins Portfolio, die dem Zweck der Risikoreduktion entgegenwirkt.
Die Rolle von Anleihen-ETFs im Portfolio
Anleihen-ETFs dienen primär der Risikoreduktion und Stabilisierung. In einem klassischen 60/40-Portfolio (60 % Aktien, 40 % Anleihen) haben Anleihen historisch die Portfoliovolatilität deutlich gesenkt, ohne die Rendite proportional zu schmälern.
Allerdings hat das Jahr 2022 gezeigt, dass die negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen nicht immer gilt: Beide Anlageklassen fielen gleichzeitig. Das passiert typischerweise in Phasen steigender Inflation und aggressiver Zinserhöhungen — ein Szenario, das in den letzten 40 Jahren selten war, aber eben nicht unmöglich.
Beispiel-Portfolios mit Anleihen-ETFs
| Portfolio | Aktien | Anleihen | Geldmarkt | Historische Volatilität |
|---|---|---|---|---|
| Offensiv | 80 % | 10 % | 10 % | ~12 % |
| Ausgewogen (60/40) | 60 % | 30 % | 10 % | ~9 % |
| Defensiv | 30 % | 50 % | 20 % | ~5 % |
Die richtige Aufteilung hängt von deinem Anlagehorizont, deiner Risikotoleranz und deiner finanziellen Situation ab. Als Faustregel: Je kürzer der Zeithorizont, desto höher der Anleihenanteil.
Für den risikoarmen Portfolioanteil stehen Anleihen-ETFs in Konkurrenz zu Festgeld und Geldmarkt-ETFs. Der Unterschied: Festgeld bietet einen garantierten Zins bei fixem Zeithorizont. Anleihen-ETFs bieten tägliche Liquidität, schwanken aber im Kurs. Bei einem Anlagehorizont unter 2 Jahren ist Festgeld oder ein Geldmarkt-ETF oft die bessere Wahl. Bei 3+ Jahren können Anleihen-ETFs attraktiver sein, weil sie bei fallenden Zinsen Kursgewinne erzielen.
Aktuelle Marktsituation (Stand Februar 2026)
Nach den aggressiven Zinserhöhungen der EZB auf 4,0 % (Einlagezins) und den ersten Zinssenkungen seit 2024 liegt der Leitzins aktuell bei rund 2,5 %. Euro-Staatsanleihen mit mittlerer Laufzeit bieten Renditen von 2,5–3,0 %, Unternehmensanleihen Investment Grade rund 3,5 %.
Das bedeutet: Anleihen werfen wieder reale Rendite ab — nach Abzug der aktuellen Inflation von rund 2 % bleibt ein kleiner positiver Realzins. Das war zwischen 2016 und 2022 nicht der Fall, als Anleihen nach Inflation fast durchgehend negativ rentierten.
Ob man jetzt eher auf kurze oder lange Duration setzen sollte, hängt von der Zinserwartung ab. Erwartet man weitere Zinssenkungen, profitieren langlaufende Anleihen-ETFs von Kursgewinnen. Erwartet man stabile oder steigende Zinsen, sind kurzlaufende Varianten die sicherere Wahl.
- +Stabilisierung des Portfolios durch niedrigere Volatilität als Aktien
- +Planbare laufende Erträge durch regelmäßige Kuponzahlungen
- +Kursgewinne bei fallenden Zinsen
- +Breite Auswahl: von ultrasicher (Bundesanleihen) bis renditeorientiert (High Yield)
- +Niedrige Korrelation zu Aktien (in den meisten Marktphasen)
- +Als Sondervermögen insolvenzgeschützt
- −Kursverluste bei steigenden Zinsen (je höher die Duration, desto stärker)
- −Geringere Renditeerwartung als Aktien-ETFs langfristig
- −2022 hat gezeigt: Aktien und Anleihen können gleichzeitig fallen
- −Komplexer als Aktien-ETFs (Duration, Bonität, Währung als Faktoren)
- −High-Yield-Anleihen korrelieren in Krisen stark mit Aktien
- −Inflationsrisiko bei niedrig verzinsten Langläufern
Häufig gestellte Fragen zu Anleihen-ETFs
Weil die Zinsen gestiegen sind. Anleihen und Zinsen verhalten sich gegenläufig: Steigt das allgemeine Zinsniveau, verlieren bestehende Anleihen mit niedrigeren Kupons an Attraktivität — ihr Kurs fällt. Je länger die Duration deines ETFs, desto stärker der Effekt. Bei einer Duration von 7 bedeutet ein Zinsanstieg um 1 Prozentpunkt einen Kursverlust von ca. 7 %. Die gute Nachricht: Der höhere Zins gleicht den Kursverlust über die Restlaufzeit wieder aus — du musst nur lang genug halten.
Festgeld bietet einen garantierten Zins und kein Kursrisiko — dafür kommst du nicht vor Laufzeitende an dein Geld. Anleihen-ETFs bieten tägliche Liquidität und bei fallenden Zinsen Kursgewinne — dafür schwanken sie. Für Geld, das du sicher in 1–3 Jahren brauchst und nicht anfassen musst, ist Festgeld oft die einfachere Wahl. Für flexibles Kapital mit längerem Horizont können Anleihen-ETFs attraktiver sein.
High-Yield-Anleihen bieten höhere Renditen (aktuell 5–7 %), aber das zusätzliche Risiko ist real: In der Finanzkrise 2008 verloren High-Yield-ETFs über 25 %, ähnlich wie Aktien. Die Diversifikationswirkung ist also begrenzt. Wenn du mehr Rendite willst, erhöhe lieber den Aktienanteil — dort ist die historische Risikoprämie besser dokumentiert und du vermeidest das asymmetrische Risikoprofil von Unternehmensanleihen (begrenztes Gewinnpotenzial, aber volles Verlustrisiko).
Kommt auf deinen Anlagehorizont und Zweck an. Geldmarkt-ETFs bieten quasi keine Kursschwankungen, aber die Rendite passt sich sofort dem Leitzins an — fällt der Zins, fällt die Rendite. Anleihen-ETFs mit mittlerer oder langer Duration profitieren hingegen von Zinssenkungen durch Kursgewinne. In einem Umfeld fallender Zinsen kann ein Anleihen-ETF also deutlich mehr Rendite liefern als ein Geldmarkt-ETF. Beide Produkte haben unterschiedliche Aufgaben im Portfolio.
In einer typischen Rezession senken Zentralbanken die Zinsen, um die Wirtschaft zu stützen. Das treibt die Kurse von Staatsanleihen nach oben — Anleihen-ETFs profitieren also in der Regel, während Aktien fallen. Das ist der klassische Diversifikationseffekt. Ausnahme: Wenn die Rezession mit hoher Inflation einhergeht (Stagflation), können Zentralbanken die Zinsen nicht senken, und Anleihen bieten keinen Schutz. Das war 2022 teilweise der Fall.
Quellen
- EZB: Leitzinsentwicklung und Einlagezins — aktuelle und historische Daten
- Bloomberg: Global Aggregate Bond Index — Zusammensetzung und Performance
- iShares: Euro Government Bond ETF-Familie — Factsheets und Duration-Daten
- Vanguard: „The role of bonds in a portfolio", 2024 — Anleihen als Diversifikationsbaustein
- Deutsche Bundesbank: Umlaufrenditen deutscher Staatsanleihen